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Nicht der Wolf ist für Schafe die größte Bedrohung. Sondern der Rabe. Der Bundesverband der Berufsschäfer mahnt trotz vieler toter Lämmer zur Besonnenheit
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mauritius images / Tierfotoagentur / m.blue-shadow

Kolkraben waren nach dem Zweiten Weltkrieg in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet. Heute stehen sie unter Schutz - und ihre Bestände erholen sich

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Wenn in den Medien Fotos von getöteten Schafen die Runde machen, sind fast immer Wölfe die Schuldigen. Doch durch die aufgeheizte Debatte über die geschützten, vierbeinigen Rückkehrer sei ein "riesengroßes" Problem für Schafhalter und –züchter aus dem Blick geraten, klagt Günther Czerkus vom Bundesverband der Berufsschäfer: Raben und Krähen.

Auf der Schwäbischen Alb etwa hätten Raben sich schon seit Jahren auf Herden "eingeschossen“, die im Sommer ihre Lämmer bekommen, sagt Czerkus. Hier gebe es Betriebe, die jedes Jahr durch Raben 80 und mehr Lämmer verlören. Und während in Mecklenburg-Vorpommern rund 100 Schafe durch Wölfe gerissen worden seien, beziffert der Schafzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern die Verluste durch Raben und Krähen auf "Tausende". Und die Dunkelziffer sei hoch, weil viele Züchter nicht alle Fälle meldeten.

Neugeborene Lämmer sind leichte Beute

Das Problem: Die intelligenten, schwarz gefiederten Vögel wissen, dass Lämmer, die gerade geboren werden oder erst kurz auf der Welt sind, leichte Beute sind – und versammeln sich zur Zeit der Geburten rund um die Weiden. Die Schafmütter sind oft hilflos oder zu schwach, um ihre Neugeborenen zu schützen.

Die Raben, erzählt Schäfer Günther Czerkus, verletzen die Lämmer so schwer, dass Schäfern oft nicht anderes übrig bleibt, als sie zu töten. Er selbst habe in einem strengen Winter an einem Nachmittag 17 Lämmer verloren – und das, obwohl er vor Ort war. Und gefährdet seien nicht nur Neugeborene. Das größte Lamm, das Czerkus durch Raben und Krähen verlor, wog mehr als 25 Kilogramm.

Viele Schafe kommen zur Geburt ihrer Lämmer nun vorsorglich in den Stall. Aber für alle reichen die Kapazitäten nicht. Versuche, die Raben abzuschrecken, seien bislang weitgehend erfolglos verlaufen, sagt Czerkus. So habe man versucht, Lämmer mit einem Brechmittel für Raben einzustreichen. Auch Versuche mit Krähen-Warnrufen vom Tonband hätten bislang noch keinen Durchbruch gebracht.

Jagd auf Raben ist nicht die Lösung

Zur Jagd auf Rabenvögel will Schäfer Czerkus dennoch nicht blasen. Schließlich seien Schäfer Bewahrer und Förderer der Artenvielfalt. Nur weil bestimmte geschützte Arten ein Problem darstellen, dürfe man sie nicht ausrotten.

"Die Position des Bundesverbandes der Berufsschäfer ist: Wir sind Hüter der Schafe und nicht Jäger des Wolfs“, sagt Czerkus. Das gelte ähnlich auch für Raben. "Allerdings können sich die Schafzüchter gegen den Wolf besser schützen als gegen den Raben", sagt Czerkus. Man könne nicht über jede Herde ein Vogelschutznetz spannen. Und Raben seien sehr clever.

Kolkraben waren vor wenigen Jahrzehnten in Deutschland fast ausgerottet. Unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes haben sich ihre Bestände erholt. In Deutschland leben heute wieder rund 9000 Brutpaare.

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